Fliegen

gewonnen: 6. Platz

http://www.bequeen.de/community/blogs/bequeen-team/schreibwettbewerb-fliegen-von-karin-fiedler

Fliegen

manchmal
habe ich das gefühl
am rand einer klippe zu stehen,
höre das rauschen des meeres
spüre den wind
ganz nah
und rieche den salzenen duft,
der um meine nase streicht.
schließe die augen
schwanke vorsichtig,
bestehe
und habe ein gefühl
von freiheit in mir.
(Karin Fiedler)

Hannah:
Ich öffne die Augen.
eben hatte ich noch das Gefühl auf dem Dach zu stehen. Ich breitete die Arme aus und flog, flog so frei wie ein Vogel. Meine Angst hat der Wind mit sich genommen, wirbelte sie einfach davon. Jetzt liege ich in meinem Bett, es ist kalt, ich muss eben erst wieder ins Bett gegangen sein.
War ich wirklich auf dem Dach? Sprang ich und flog über die Dächer hinweg?

Leon:
Du bist kalt, deine Hände sind fast blau.
Ab und an reißt du deine Augen auf, als schaust du durch die Decken in den blauen Himmel hinauf.
Ich war heute Nacht auf dem Dach, habe gesucht, gesucht nach einer Antwort. Dabei habe ich einen Schuh gefunden, er stand im Mondlicht auf der höchsten stelle des Daches.
Ein kleiner Schuh, in einem hellen Blau.
Der Schuh der dazu gehört steht in dem unfertigen Kinderzimmer unserer 75 m² Meter Wohnung.
Das Kind das dem Schuh gehörte ist nicht mehr bei uns, wurde uns genommen noch ehe wir uns an das kleine Geschöpf gewöhnen konnten.

Hannah:
Mein Engel, du hast deine Schuhe vergessen.
Ist dir nicht kalt, wo auch immer du jetzt bist. Ich schlafe jetzt schon so lang, manchmal träume ich. Träume vom fliegen, Träume wie ich mit dir dem Himmel entgegen fliege, Hand in Hand.
Gestern, ich weiß nicht mehr genau wann es war.
Ich bin auf das Dach geklettert.
Dann sah ich dich, du bist an mir vorbei geflogen, hast meine Hand genommen und zusammen haben wir uns vom Wind tragen lassen. Dann bist du einfach verblasst, immer mehr, bis du einfach nicht mehr da warst.
Ich hatte deinen Geruch in meiner Nase, deine Schuhe in der einen Hand, in der anderen deine kleinen Finger.

Leon:
Hannah, es ist nun schon ein Jahr her. Ein Jahr in dem so viel passiert ist. Mia unser kleiner Sonnenschein ist einfach eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht.
So wie du jetzt.
Jetzt liegst du schon Wochen lang in einem tiefen schlaf, an deinen Augen aber erkenne ich die Unruhe. Bitte erzähle mir doch von was du träumst. „Hast du Mia gesehen, war sie bei dir?“
Ich stelle die kleinen Schühchen auf deinen Nachttisch, wenn Mia vorbei kommt gibt sie ihr. Gib ihr die Schuhe damit sie nicht mehr friert und komm zurück zu mir.
„Ich brauche dich!“

Hannah:
„Leon?“

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