Im hohen Gras

von Stephen King und Joe Hill kaufenIm hohen Gras

Im hohen Gras ist eine Kurzgeschichte von Joe Hill und Stephen King und nur als E-Book oder Hörbuch erhältlich.

© Karin Fiedler

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Das Zwillingspaar Becky und Cal sind unterwegs zu Verwandten, als sie auf der Route 73 in Kansas  rasten. Dort hören sie eine Kinderstimme aus dem hohen Gras am Straßenrand. Das Gras ist über zwei Meter hoch.
Cal ist als erster im hohen Gras und sucht nach der Kinderstimme und Becky folgt ihm.

Doch sie können das Kind nicht finden und sich selbst auch nicht mehr. Die warnende Frauenstimme, die sie nun ebenfalls hören, ignorieren sie. Und ihr könnt es euch bestimmt schon denken, was nun beginnt: ein Horrortrip.

© Karin Fiedler

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Stephen King und Joe Hill bringen einem auf nur 72 Seiten das Gruseln bei. Als sie das erste Mal das hohe Gras erwähnen, läuft schon der erste Schauer über den Rücken. Vielleicht ist das bei mir auch ganz einfach, da ich hohes Gras (Maisfelder, etc. ) von vornherein schon gruselig finde.

Die Kurzgeschichte hat mich gleich mit den ersten Sätzen gepackt.

Die beiden Autoren versuchen mit ihrem Stil auf jeder Seite und in jedem Satz etwas Unheimliches mitschwingen zu lassen und das gelingt ihnen auch. Die Geschichte liest sich sehr schnell und mit dem letzten Satz setzen sie nochmal einen drauf. Beide Autoren sind wahre Alptraum-Meister und ergänzen sich wunderbar.

Sehr schön fand ich auch die beiden XXL Leseproben zu den neuen Bücher der beider Autoren. Christmasland von Joe Hill ist im September und Doctor Sleep von Stephen King ist im Oktober 2013 erschienen.

Wer gerne Bücher von Stephen King und Joe Hill liest, sollte bei diesem E-Book zugreifen.

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Im Pyjama um halb 4

von Gabriella Engelmann und Jakob M Leonhardt

Arena Verlag

Arena Verlag

3,5 von 5 3,5 von 5 (kaufen)

„Im Pyjama um halb vier“ ist ein Roman von Gabriella Engelmann und Jakob M Leonhardt. Erschienen ist er im Januar 2013 im Arena Verlag.

© Karin Fiedler

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Die Geschichte spielt in der virtuellen Welt, als Plattform dient in diesem Fall Facebook.
Lulu lernt Ben durch einen Zufall kennen. Eigentlich wollte sie den „Ben“ kennenlernen, der mit Marco, ihrem Schwarm, befreundet ist.
Zwischen den Beiden entwickelt sich eine Zweckgemeinschaft und sie machen einen Deal.
Lulu kann Ben alles über Jungs fragen und umgekehrt. Sie führen Gespräche, die sie sonst niemanden anvertrauen würden.
Zentral geht es um die Fragen: „Wem kann ich vertrauen, wie weit darf ich in der anonymen Welt gehen und wie viel Wahrheit verträgt eine junge Freundschaft? Und ist im Internet Jeder der, für den er sich ausgibt?

„Im Pyjama um halb vier“ ist durchgehend im Chatstil geschrieben. Beschreibungen von Aktivitäten der Protagonisten hätten wohl auch nur gestört.
Der Jugendroman ist angenehm leicht und flüssig geschrieben, und lässt sich daher an einem Nachmittag durchlesen. Lulu war mir oftmals zu naiv, aber ich weiß natürlich nicht wie 16jährige heutzutage ticken.

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Das Autorenpaar versteht es sich den Ball zuzuwerfen und eine Geschichte über Vertrauen und Anonymität aufs Papier zu zaubern. Die Sprache ist sehr jugendorientiert. Erwachsene, die diesen Roman lesen, sollten Netzwerke wie Facebook oder Twitter keine Fremdworte sein.

Der Jugendroman zeigt die inneren Konflikte von Jugendlichen, vom Erwachsen werden, Erfahrungen sammeln, enttäuscht und geliebt werden. Die Geschichte gewinnt durch geschickte Wendungen, eingeflochtene Statusmeldungen lockern die Handlung auf.

Eltern, die nun vermuten, dass ihre Sprösslinge einen Roman lesen, in dem Jugendliche nachts stundenlang vorm PC hängen und chatten, kann ich beruhigen. Lulu und Ben verbringen nie mehr als eine Stunde im Chat und das auch nicht ausschließlich nachts. Die Autoren haben darauf geachtet, das trotz der Handlung, Schule und Hobby weiterhin im Vordergrund stehen. So geht Luu regelmäßig zum Ballett und Ben spielt Basketball.

Wer auch mal Bücher in etwas anderem Stil mag, wer gerne auch mal Jugendbücher  mit großem Anteil an Liebe und Herzschmerz liest ist hier richtig.
Das Cover ist wirklich sehr gelungen. Da Facebook eigentlich nie erwähnt wird und die Icons auf dem Cover auch nicht die typischen Facebook-Zeichen sind, lässt sich der Roman auf jede Plattform transferieren.

Zum Schluss möchte ich euch noch sagen, seid nicht sauer über das Ende (so wie ich), das ist wirklich sehr schlüssig, ich habe das nur nicht gleich erkannt.

Eine Lektüre, die mehr Tiefgang besitzt als auf den ersten Blick erkennbar ist, für Jugendliche uneingeschränkt empfehlenswert!

Die Wahrheit über…

 

…den Fall Harry Quebert von Joél Dicker

XXL Leseprobe

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5 von 5
5 von 5
2 mal 5 Sterne für das Lesehighlight 2013
„Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ ist ein Roman von Joel Dicker und ist 2013 im Piper Verlag erschienen.

© Karin Fiedler

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Am Anfang steht ein Verbrechen. Ein Schuldiger ist schnell gefunden – nur das Motiv muss noch ergründet werden. Und hier begleiten wir Marcus Goldmann, der nicht glauben kann, dass sein alter Mentor und Freund Harry Quebert die 15 jährige Nola aus Leidenschaft umgebracht hat.
Also beginnt er zu ermitteln, zusammen mit dem etwas grimmigen Sergeant Gahalowood, der ihn am liebsten in den nächsten Flieger nach New York setzen möchte. Doch als Goldmann die ersten Drohbriefe erhält wird Gahalowood hellhörig.
Die Geschichte spielt hauptsächlich an der Ostküste Amerikas in dem fiktiven Städtchen „Aurora“.

Der Autor arbeitet in seinem Roman mit zwei verschiedenen Zeitebenen: das Jahr 1975, in dem Nola verschwand und 2008, das Jahr, in dem Barack Obama zum Präsidenten gewählt wurde. Auch hier gibt es Zusammenhänge, die Dicker im Roman miteinander verflechtet.
Anspielungen auf die Moralvorstellungen der Bürger zu den jeweiligen Zeiten bleiben nicht aus.

© Karin Fiedler

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„Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ ist mehr als nur ein ein Krimi. Es ist eine Liebesgeschichte, eine Gesellschaftskritik, aber auch ein Buch im Buch.
Wer also auch gerne Whodunit-Romane liest, wird von diesem Buch mehr als begeistert sein.  Das Spiel mit falscher Fährte – richtige Fährte beherrscht er mindestens so gut wie Hitchcock.

Die Charaktere in diesem Buch strotzen nur so vor Leben,  jede einzelne Person ist sehr plastisch und lebensecht dargestellt. Die vielen verschiedenen Protagonisten lassen sich schnell zuordnen, auch in den verschiedenen Zeitebenen. Ich hatte zu keiner Zeit Probleme damit.

Es war ein harter Abschied, als ich die letzte Seite des Buches umblätterte. Mir ist jeder einzelne der Personen sehr ans Herz gewachsen und am meisten gelitten habe ich mit Luther Caleb., einem weiteren wichtigen Protagonisten des Buches.

Mehr Infos zum Autor und zum Buch gibt es hier! Klick

Das Verstummen der Krähe

von Sabine Kornbichler
Das verstummen der Krähe
© Piper Verlag

5 von 5

© Karin Fiedler

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„Das Verstummen der Krähe“ ist ein Krimi von Sabine Kornbichler aus dem Piper Taschenbuch-Verlag.

Kristina Mahlo, Nachlassverwalterin mit Herz, sieht sich als Anwältin der Toten. Deshalb überlegt sie sehr genau welchen Auftrag sie annimmt. Als die verstorbene Theresa Lenhardt in ihrem Testament genau sie als Verwalterin verlangt und es um die Aufklärung eines Mordes geht, will sie zunächst ablehnen. Aber dann entdeckt sie in der Wohnung der Verstorbenen Hinweise auf ihren Bruder, der vor 6 Jahren spurlos verschwunden ist.

Theresa Lenhardt hinterlässt ein beträchtliches Vermögen, das in fünf gleichen Teilen unter den ehemaligen Freunden aufgeteilt werden soll. Der Haken ist, dass der Verdacht an der Beteiligung der Ermordung von Konstantin Lischka vollkommen ausgeräumt sein muss. Fritz Lenhardt wurde vor 6 Jahren wegen der Ermordung an K. Lischka verurteilt und hat sich nach der Verurteilung das Leben genommen.

© Karin Fiedler

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Sabine Kornbichler ist hier ein wunderbarer Krimi mit einem sehr vielschichtigen Plot gelungen. Es gibt viele Nebenschauplätze, sehr lebhafte Protagonisten und eine glaubhafte Story.

Der zentrale Schauplatz, ein Hof auf dem Kristina ihr Büro, ihr Freund Simon einen Weinhandel und ihre ebenfalls sehr geheimnisvolle Freundin Henrike einen Antiquitätenladen haben und sie mit ihren Eltern in einem Haus wohnt. Der Schauplatz ist wirklich sehr schön gewählt, ein Ort, an dem man sich als Leser wohlfühlt. Die Geschichte um ihre Eltern rührt wirklich sehr zu Herzen.

Die Charaktere sind sehr ausgeprägt gezeichnet. Jeder hat seine ganz eigene Geschichte und wirkt unterschwellig unnahbar und geheimnisvoll. Besonders mit Funda, Kristinas Assistentin und Kristina selbst konnte ich mich sehr gut identifizieren.

„Das Verstummen der Krähe“ fängt gleich mit großer Spannung an und der Spannungsbogen reißt nie ab, immer wieder neue Erkenntnisse lassen den Roman von Seite zu Seite spannender werden. Ich habe bis zum Ende nicht gewusst wie dieses Buch endet. Die Geschichte ist zu keiner Zeit vorhersehbar und das Finale wirkt nicht konstruiert oder künstlich herbei geführt.

Dies war mein dritter Krimi der Autorin und ich bin wieder einmal mehr als begeistert. Sie kommt ohne viel Blut und Gewalt aus, mit Sabine Kornbichler macht Krimis lesen wieder Spaß. Ich freue mich jetzt schon auf das neue Buch!

Wer also gerne einen Krimi liest in dem nicht literweise Blut fließt, wird sich hier gut aufgehoben fühlen. Fans von Volker Kutscher, Richard Stark und Patricia Highsmith werden an den Büchern von S. Kornbichler ihre Freude haben. Ich würde gerne mal einen Tatort aus des der Feder der Autorin sehen!

Die Todesbotschaft

 

von Sabine Kornbichler

Cover

Die Todesbotschaft

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Inhalt_tranz

© Karin Fiedler

Die Todesbotschaft ist ein Kriminalroman von Sabine Kornbichler, erschienen im Knaur Verlag.

Die junge Berliner Künstlerin Finja muss in kürzester Zeit vier enge Freunde und Familienmitglieder aus ihrer alten Heimat am Tegernsee zu Grabe tragen. Dass es sich hier ausschließlich um Unfälle und einen Einbruch handeln soll kann sie nicht glauben. Immer mehr bestätigt sich für sie die Befürchtung, dass die renommierte Wirtschaftsdetektei ihres Vaters und seiner drei Partner etwas mit den Todesfällen zu tun hat. Sie belauscht Gespräche der Partner und durchsucht das Arbeitszimmer ihres Vaters und erkennt ihn und ihre eigene Vergangenheit nicht mehr wieder.

Parallel lesen wir – kursiv dargestellt – die Geschichte von Gesa Minke.

Sabine Kornbichler hat hier eine Mischung aus Familiendrama und Kriminalroman mit spannendem Hintergrund geschrieben. Die zwei verschiedenen Handlungsstränge führt sie geschickt zusammen.

Bis zur Seite 110 dachte ich noch zu wissen um was es ging, warum vier Menschen sterben mussten, aber die Autorin versteht es, eine Wendung einzubauen, mit der man nicht gerechnet hätte. Aus dem  Netz aus Geld, Macht und Gewalt spinnt sie ihre mehr als glaubwürdige Geschichte. Das Buch lief während des Lesens wie ein Film vor meinen Augen ab.

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© Karin Fiedler

Die Protagonisten sind sehr stark gezeichnet. Von Jedem geht unterschwellig eine Aura des Unnahbaren und Gefährlichen aus. Bei unseren Mutmaßungen als Leser stoßen wir so oft auch auf unsere Grenzen, wie es Finja auch ergeht. Die Auflösung wirkt keinesfalls an den Haaren herbei gezogen, genauso passiert es vielleicht gerade irgendwo und vermutlich immer wieder. Umso glaubwürdiger ist dieser Roman.

Was mir an Büchern von Sabine Kornbichler gefällt, ist die Abwesenheit von blutigen Details. Ihre Bücher haben es nicht nötig. Sie sind auch so spannend genug.

Wer also gerne einen Krimi liest in dem nicht literweise Blut fließt, wird sich hier gut aufgehoben fühlen. Fans von Volker Kutscher, Richard Stark und Patricia Highsmith werden an den Büchern von S. Kornbichler ihre Freude haben. Ich würde gerne mal einen Tatort aus des der Feder der Autorin sehen!

Für mich eine klare Kaufempfehlung und ich freue mich schon sehr auf ein neues Buch von Frau Kornbichler.

Zurück nach Hollyhill

von Alexandra Pilz

Cover

© „Heyne fliegt“ Verlag

Bewertung

4 Sterne

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„Zurück nach Hollyhill“ ist der erste Band einer Jugendbuch-Reihe von Alexandra Pilz, erschienen im Heyne (Heyne fliegt) Verlag.

Die fast 18jährige Emily erhält am Tag ihres Abiturs einen Brief ihrer verstorbenen Mutter.

Deshalb bitte ich dich, nach Hollyhill zu reisen, das Dorf, das viele Jahre meine Heimat war. Es liegt im Dartmoor. Du wirst es finden.“

Zentral geht es hier um das Dorf „Hollyhill“, welches auf keiner Landkarte verzeichnet ist.
Angekommen im englischen Dartmoor und völlig durchnässt, trifft Emily auf Matt, der ihr den Weg zeigen, bzw. sie in das Dorf bringen kann. Emily ist wie versteinert, denn vor ein paar Tagen erst hat sie von genau diesem Jungen geträumt.
Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch das Moor, ohne Straßen oder Feldwege ist sie plötzlich in dem winzigen Dorf. Sie wird schnell in die Dorfgemeinschaft aufgenommen, hat aber dennoch das Gefühl unerwünscht zu sein.

Ich habe mich zu diesem Buch vorher nicht informiert, weder über den Inhalt – noch über die Autorin. So konnte mich die deutsche Autorin Alexandra Pilz auf der ganzer Linie überraschen.
Einfach mal einen Blindkauf zu wagen, kann ich jedem nur empfehlen.

Das Cover, das immer mal wieder auf diversen Blogs aufgetaucht und mit seinem leuchtende Gelb und dieser verschnörkelten alten Schrift „Kauf mich“ schreit, hat hier den Ausschlag zum Kauf gegeben.

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© Karin Fiedler

Die Sprache die A. Pilz verwendet ist jugendorientiert. Kurze und prägnante Sätze, kurzweilige Umschreibungen der Umgebung, lassen den Roman leicht und flüssig lesen. Die Altersempfehlung laut Verlag ist ab 14 Jahre. Hier liegt man mit der Zielgruppe 14 – 16 Jahre genau richtig. Alexandra Pilz reizt die Verhaltensweisen Emilys, die unnahbar wirkt und auf der Suche ihres Ursprungs und der Vergangenheit der Eltern ist, voll aus.

Die Autorin versteht es einen Spannungsbogen aufzubauen und diesen auch bis zur letzten Seite – und darüber hinaus – zu halten. Die Darstellung des Dorfes ist ihr wunderbar gelungen, die geheimnisvolle Aura war allgegenwärtig.

Warum Emily so verschlossen und Matt so unfreundlich zu ihr ist und was es mit diesem Dorf auf sich hat wird nach und nach aufgelöst. Fantasy-Elemente unterstützen die Reise durch dieses Buch. Mehr möchte ich an dieser Stelle einfach nicht verraten.

Am Ende bleiben viele der Charaktere leider etwas zu blass und viele Fragen offen, aber das ist auch gut so, denn die Autorin schreibt schon am Folgeband. Ich hoffe dann mehr über die Dorfbewohner zu erfahren und freue mich schon jetzt auf ein weiteres fantastisches Abenteuer mit Hollyhill.

Solange die Nachtigal singt

von Antonia Michaelis

Cover

© Oettinger Verlag

405 4,5 *

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Rezension!

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© Karin Fiedler

„Solange die Nachtigal singt“ ist ein Roman von Antonia Michaelis und im Oettinger Verlag erschienen.

Die Geschichte spielt vorwiegend in einem mysteriösen Nebelwald im Zittauer Gebirge.
Der 18jährige Jari geht am Ende seiner Lehre als Geselle auf Wanderschaft, er möchte 3 Wochen voller Abenteuer erleben. Er trifft in einer Galerie auf Jascha, ein ziemlich hässliches Mädchen und dennoch ist er fasziniert von ihr. Sie lebt oben im Wald, also beschließt er sie bis zum Bärenfelsen zu begleiten. Jascha lädt ihn ein die Nacht bei ihm zu verbringen und am nächsten Tag weiterzuziehen.

Als er diesen Wald betritt, ist etwas mit ihm geschehen. Er vergisst die Tage und die Nächte und verliert jedes Zeitgefühl. Jascha entpuppt sich als wunderschönes Mädchen, nachdem sie die Hornbrille, den Hinkefuß und die weite Kleidung abgelegt hat. Sie lebt anscheinend auch nicht allein in dem alten Haus im Wald, da gibt es noch die beiden Schwestern Joana und Jolanda.

daumen

© Karin Fiedler

Die Märchenerzählerin Antonia Michaelis hat mit dem Roman „Solange die Nachtigall singt“ einen sprachgewaltigen und poetischen Roman geschrieben. Es ist als habe sie ein neues Genre aus Horror, Mysterie und Thriller Elementen erfunden.

Die Autorin versteht es sehr gut durch schnelle Szenenwechsel, der Darstellung des dichten Nebelwaldes und dem immer wieder verschwundenen Mädchen eine hochmysteriöse Stimmung aufkommen zu lassen. Durch die Erzählperspektive hat man immer das Gefühl mittendrin zu sein. Wenn wir uns wie Jari in der Geschichte verlieren, dann streut die Autorin kursiv dargestellt die Geschichte von Jascha ein und bringt uns zurück auf dem Pfad – aber sollen wir dem trauen? Die Spannung reißt zu keinem Zeitpunkt ab.

Was ist wirklich?
Der Roman zeigt den inneren Konflikt Jaris. Geblendet von der Schönheit der Mädchen und des Waldes lässt er sich auf einen Pakt ein. Liebe, Begierde, Loyalität und Moral setzen sich gegenseitig außer Kraft. Wie schon im Märchenerzähler gibt die Autorin hier keine Anleitung wie weit man gehen darf, wann man Gewalt anwenden – ja sogar morden darf. Sie zeigt nur auf, wie etwas entstehen kann, aber nicht muss!

Dennoch hab ich am Schluss des Buches gesagt: „Hab ich es doch gewusst“. Die Auflösung ist schlüssig, vielleicht auch vorhersehbar, mir aber etwas zu abrupt.

Wer also Autoren mag, die nicht lange um den heißen Brei reden, wer die eine oder andere deftige Handlung vertragen kann, wer Spannung liebt und unheilverkündende Atmosphäre mit schier undurchschaubaren Figuren – der ist mit diesem Buch gut beraten.

Für Fans von Antonia Michaelis ein Muss und eine klare Kaufempfehlung von mir.

Die Tiefen deines Herzens

von Antje Szillat

4 von 5

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„Die Tiefen deines Herzens“ ist ein Roman von Antje Szillat und ist im Coppenrath-Verlag erschienen.
Die Handlung spielt vorwiegend in Usedom, die 17 jährige Leni verbringt dort ihren Sommer bei ihrer Tante und dessen Lebensgefährten Jamie.
Leni genießt die Tage am Meer, obwohl sie ihren Freund Felix sehr vermisst.
Dann taucht Marc auf, der Neffe von Jemie“.  Marc fasziniert Leni, trotzdem gibt sie sich kühl und distanziert. Doch sie kommen sich unweigerlich näher.

Zentral ist hier der innere Kampf Lenis, die sich zwischen der Liebe zu Felix und der Schwärmerei Marcs hin und her gerissen fühlt. Schließlich verstrickt sich Leni immer mehr in ihren Gefühlen, aber was verbirgt Marc?

Der Roman ist leicht und flüssig zu lesen, an einigen Stellen hält man die Luft an, bei anderen zweifelt man an Lenis Verstand. Dennoch ist das Hin-und-her-gerissen-sein zwischen Marc und Felix für mich nachvollziehbar.
Antje Szillat versteht es sehr gut, den inneren Kampf Lenis darzustellen, die Emotionen werden lebensnah beschrieben. Dies erreicht die Autorin nicht mit bloßen Gefühlsbeschreibungen, sondern dadurch, dass sie die körperlichen Symptome beschreibt.

„Es gab im Innern nur so ein verrücktes Herz, und obwohl ich mir die größte Mühe gab, ruhig und gleichmäßig zu atmen, dröhnte es wie ein Presslufthammer in meiner Brust.“

Die Sprache, die die Autorin verwendet ist jugendorientiert, aber auch Erwachsene werden sich mit diesem Buch gut identifizieren können. Verwendet werden kurze und prägnante Sätze, hier wird auf lange Sätze und langatmige Beschreibungen der Umgebung verzichtet. Wir steigen sofort in die Gefühlswelt von Leni ein.

Der Roman „Die Tiefen deines Herzens“ zeigt den inneren Konflikt eines Teenagers, der sich zwischen Liebe und Begierde, Moral und Loyalität entscheiden muss. Antje Szillat bringt dies dem Leser hervorragend rüber.
Dennoch wollen wir mit Leni nicht tauschen, hoffen sogar, nicht in ihre Situation zu geraten, oder meint gar – das einem so etwas nie passieren könnte.

Für mich war Leni manchmal zu zickig und wankelmütig, hier hätte ich mir etwas weniger Gefühlschaos gewünscht.
Das Buch ist keine typische Dreiecksgeschichte, die Autorin bietet noch viel mehr. Usedom ist natürlich ein wundervoll gewählter Schauplatz, Urlaubsfeeling wird in uns hervorgerufen.
Aber Vorsicht, der Jugendroman mit Thriller-Elementen ist kein einfaches Strandbuch.

Für Freunde der Jugendbuchliteratur ist dieses Buch empfehlenswert und wird jene ansprechen, die sich in eine Person hineinversetzen und mitfühlen können.
Für mich eine klare Kaufempfehlung. Zeitlos präsentiert sich „Die Tiefen deines Herzens“, denn was schon Julia mit Ihrem Romeo erlebt hat, passiert auch klein Lieschen heute noch.
Antje Szillat hat mich für kurze Zeit nach Usedom entführt, dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Die Scanner

von Robert M. Sonntag

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Das Jahr 2035, gedruckte Bücher gibt es nicht mehr. Jedes Druckerzeugnis wird aufgespürt und digitalisiert und kostenlos für jeden zur Verfügung gestellt.

„Alles Wissen, für alle zugänglich. Jederzeit und kostenlos“ heißt der Slogan dieser Zeit.
Rob arbeitet für diesen Megakonzern Ultranetz als Buchagent. Er treibt mit seinem Kollegen Bücher auf und digitalisiert diese.
Ultranetz begleitet das Leben eines jeden auf Schritt und Tritt, digitale Brillen „Mobrils“ zeichnen alles auf und jeder kann sein Leben für alle sichtbar „online“ stellen.
Doch dann gerät er in die Kreise der Büchergilde, einer geheimen Organisation, die aus ehemaligen Buchhändlern, Autoren, Übersetzern und Verlagsmitarbeitern besteht.
Als er Arne, einem Mitglied der Büchergilde kennenlernt gerät sein Leben aus allen Fugen.
Wem soll er glauben, Ultranetz – das sein ganzes bisheriges Leben bestimmte, oder der Büchergilde?

Das Gruselige an dieser Geschichte ist, dass man das Gefühl hat von dieser Zukunftsvision nicht mehr weit entfernt zu sein.

Der Autor, Robert M. Sonntag ist heute sehr viel näher an der Wirklichkeit als damals noch die Autoren von „Brav new World“, „1984“, oder „Fahrenheit 451“. Und was damals noch reine Fiktion war, ist heute die (nahe) Zukunft.

Die Geschichte ist wahnsinnig gut umgesetzt, mit einem präzisen und ausdrucksstarken Schreibstil.
Die Szenerie der Zukunft wird vom Autor überspitzt, dennoch hebt er nicht drohend den Zeigefinger, sondern spielt mit der Fiktion.
Trotz der wenigen Seiten erwartet uns eine umfangreiche Geschichte, die flüssig geschrieben ist und ohne viel Beiwerk auskommt.

Der Autor fordert uns auf darüber nachzudenken, wie tief wir jetzt schon in dieser fiktiven Welt stecken. Besonders die Menschen, die mit dem Smartphone durch die Straßen streifen und kaum mal den Blick heben. „Allways on“ um nichts zu verpassen, als ob man dadurch aufhören würde zu existieren.

Erschreckend viel Gegenwart in diesem Zukunftsthriller!