Schrödinger, Dr. Linda und eine Leiche im Kühlhaus

von Jan de Leeuw


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  • Gebundene Ausgabe:128 Seiten
  • Verlag:Gerstenberg; Auflage: 1 (25. Januar 2010)
  • Sprache:Deutsch
  • ISBN-10:383695303X
  • ISBN-13:978-3836953030
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre

 

„Nun, weißt du, dein Vater hat nicht einfach so von einem Tag zum anderen eine Abneigung gegen Fleisch entwickelt.“ „Doch, so war es!“, sagte Jonas. „Am Morgen befand er sich noch bis zu den Ellbogen im Hackfleisch und zwei Stunden später ist er wie ein Rasender mit seinem Beil hinter Frau Ernestine hergelaufen. Niemand konnte das verstehen! Sie war eine gute Kundin.“ „Und du hast dich nie gefragt, weshalb er diese Frau durch die Straßen verfolgt hat?“

Im Laufe des Buches wird klar, dass Ernestine mehr wusste als Jonas und sein Vater. Und leider hat sie es nicht für sich behalten, noch dazu schnüffelt sie gerne in anderer Leute Leben herum.

Jonas Vater ist in der Psychiatrie, die Mutter findet er an einem Morgen tot im Schlafzimmer. Neben ihr liegt ein leeres Tablettenröhrchen und ein Brief. Und unten in der Küche wartet seine 7jährige Schwester Sarah. Was also tun? Erst mal Ruhe bewahren. Nachdem Sarah in der Schule ist, hängt der 17 Jährige Jonas seine Mutter ins Kühlhaus der hauseigenen Metzgerei. Allen anderen erzählt er, sie wäre bei den Eltern, da es dem Großvater nicht gut gehe. Aber wie lange kann er diese Lüge aufrechterhalten?

Denn da ist noch der Job der Mutter: als Dr. Linda – die Kummerkastentante arbeitete sie bei einer Zeitung. Also setzt sich Jonas an den PC und beantwortet die ersten Fragen der Leser mit vorgefertigten Standartantworten. Nur Heleen B. nicht. Sie möchte wissen warum sie nichts fühlt und Jonas antwortet ihr: Sei froh, du bist eine der wenigen Glücklichen“. Ich habe Jan de Leeuw als einen sehr talentierter Erzähler für mich entdeckt, auch wenn er den Roman mit einer nicht gerade neugierig machenden Leseransprache eröffnet. Aber wenn man die zwei Seiten des Prologs übersteht, erwartet einem eine wunderbare, wahnwitzige und etwas traurige Geschichte mit Bezügen zur Quantenphysik.

Der Autor spielt geschickt mit Realität, Wahrheit, Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit. Wer aber denkt, hier wird mit Begriffen aus der Quantenphysik nur um sich geworfen, der irrt sich. Für das Verständnis von Kindern und Jugendlichen hat de Leeuw wunderbare Worte und Erklärungen gefunden. Und so wissen wir beim Lesen selbst nicht mehr, was gerade wahr ist. So verrückt die Geschichte auch klingen mag, den Bezug zur Realität verliert sie niemals.

Sicher keine Geschichte für alle Jugendlichen, ein gewissen Interesse (nicht Wissen) für die Wissenschaft sollte vorhanden sein, damit man die Geschichte in all ihren Facetten versteht.

Ich für meinen Teil werde den Autor im Auge behalten.

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