Und in mir der unbesiegbare Sommer

von Ruta Sepetys


  • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
  • Verlag: Carlsen Verlag GmbH; Auflage: 2 (September 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3551582548
  • ISBN-13: 978-3551582546
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahre

 

 

Die Autorin Ruta Sepetys stellt am fiktiven Beispiel der Familie Vilkas dar, wie die Deportation vieler litauischer Familien durch das Innenministerium der UdSSR (NKWD) ab 1941 stattgefunden haben muss. Nur eine Person in diesen gut recherchierten Buch gibt es wirklich.

Die 15 jährige Protagonistin Lina erzählt im Buch die grauenvollen Vorgänge der Deportation und das Leben in den Lagern. In kurzen Einschüben erinnert sie sich immer wieder an das frühere wohlbehütete Leben. Sie sollte eigentlich nach diesem Sommer Studentin an einer renommierten Kunstakademie werden.

Die Geschichte der Familie Vilkas beginnt im August 1941 mit der Stürmung der Wohnung durch das NKWD. Gerade 20 Minuten bekommen sie um ihre Sachen zu packen. Linas Mutter wusste schon Bescheid und hat wertvollen Schmuck in ihren Mantel eingenäht, nur hatte sie und ihr Mann Costas noch geglaubt, rechtzeitig fliehen zu können.
Dem 10jährigen Jonas und Lina ist nicht bewusst, was da gerade passiert und wie wichtig die Anweisungen der Mutter sind. Kleidung, vor allem warme Kleidung, sollen sie einpacken und das frischgebackene Brot. Aber Lina steht immer noch im Nachthemd vor ihrem Koffer in dem nur wenige nützliche Sachen liegen.
So beginnt der Alptraum, der über 15 Jahre andauern wird, mit der Fahrt in einem Viehwaggon nach Sibirien – getrennt von ihrem Vater. Eine wochenlange Reise voller Entbehrung und Elend.

Die erste Station der Familie Vilkas ist eine Rübenkolchose im Altai Gebirge. Gehaust wird in primitiven Hütten ohne Strom und Wasser. 300g Brot ist alles was sie am Tag bekommen, nachdem sie gearbeitet haben.
Schnell erkranken die meisten an Skorbut und leiden an Mangelerscheinungen.
Die zweite Station, nach Ende des Sommers ist Trofimowsk in der Polarregion, einer menschenleeren Einöde. Hütten existieren keine, diese müssen sie aus Treibgut, Stämmen, Sand, Schlamm und Moos bauen. Auch hier gibt es nur kleine Brotrationen für diejenigen die arbeiten. Neben Skorbut sterben hier die Leute an Unterernährung und an Ruhr.

Im Epilog erfahren wir, wie es mit Lina weiterging. Das Buch endet ziemlich abrupt und so ist es von der Autorin gut gelöst im Epilog zu erzählen, wie es mit Lina und Jonas weiterging. Und im Nachwort der Autorin erhalten wir Informationen zu den geschichtlichen Hintergründen. Zu Beginn des Buches zeigt uns eine Karte die Reise der Deportierten an.

Dieses Buch besticht durch eine besondere Erzählweise, die berührend und ermahnend zugleich ist, dennoch wirkt sie nie anklagend. Eine authentische Geschichte über einen dunklen Teil der sowjetischen Geschichte.
Linas Charakter ist perfekt dargestellt. Sie wirkt als eine starke aber auch verletzliche Person, stur und mutig hält sie ihre Familie zusammen.
Die Autorin hat Lina so farbig dargestellt, dass man zu jeder Zeit das Gefühl hat in einem Tagebuch zu lesen.

Wissenswertes:
Im Sommer 1944 besetzte die Rote Armee wieder große Teile Litauens und etablierte die Litauische Sozialistische Sowjetrepublik (LSSR) erneut. Der Widerstand der sogenannten Waldbrüder“ gegen die sowjetische Besatzung stand ohne ausländische Unterstützung auf verlorenem Posten und war ab 1948 auf einige wenige Partisanenverbände geschrumpft. Stalin ließ 1949 in einer dritten großen Deportationswelle Zehntausende staatsfeindliche Elemente“ nach Sibirien deportieren, nachdem bereits 1940/41 und 1945/46 Verhaftungen und Deportationen in großem Stil durchgeführt worden waren. Viele der Deportierten starben in den Straflagern im Osten der Sowjetunion.“ Wikipedia

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3 Kommentare zu “Und in mir der unbesiegbare Sommer

  1. Oh, ich wusste gar nicht, dass es von dem Buch schon eine deutsche Übersetzung gibt! Ich werde es auf jeden Fall auch bald lesen, deine Rezension überzeugt mich nur noch mehr!
    Bei einem Praktikum in Lettland erzählte mir eine Kollegin meines Alters, dass ihre Großmutter ebenfalls nach Sibirien deportiert wurde und dass ihre Mutter dort zur Welt kam. Vor einem solchen Hintergrund kann man verstehen, dass viele Leute im Baltikum heute immer noch nicht allzu gut auf Russland zu sprechen sind; tatsächlich ist die Geschichte immernoch sehr präsent, vor allem auch in Kleinigkeiten im Alltag.

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