Der alte König in seinem Exil von Arno Geiger



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  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 18 (7. Februar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446236341
  • ISBN-13: 978-3446236349

 

Wie kann man die Alzheimerkrankheit seines Vaters besser verarbeiten, als literarisch?

Arno Geiger hat ein Buch über seinen demenzkranken Vater geschrieben – und wurde ganz nebenbei für die Shortlist der Leipziger Buchmesse nominiert.
Viele Autoren haben schon darüber geschrieben, die wenigstens aus Erfahrung. Gerade das macht das Buch über den alten König im Exil so authentisch.

Zum Anfang jedes Kapitels stellt Arno Geiger einen Dialog voran. Ein Dialog, den Vater und Sohn führen. Mal ist der Vater Stichwortgeber, mal der Sohn. Die Dialoge wechseln von tief traurigen Gedanken zu lustigen Erlebnissen.

Wir lesen hier auch keinen Erfahrungsbericht über Demenz, es geht nicht um die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Noch viel weniger ist es eine Abrechnung, vielmehr ist es eine Auseinandersetzung mit dem Alter, Krankheit und Familie.
Geiger wirbt nicht um Verständnis, klagt nicht über die Betreuung, die sich die Geschwister teilen und auch nicht über die Kosten. Der Autor spricht über das Alltägliche, darüber jeden Tag aufs Neue seinen Vater ein Stück mehr kennenzulernen.

Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Anfangs beschlich mich das Gefühl, dass Arno Geiger seinen Vater als Material für ein weiteres Buch nutzt, was sich aber für mich nicht bestätigte. Demenz ist nun mal eine Krankheit, die man nicht verstehen oder begreifen kann, man kann einzig und allein versuchen die erkrankte Person in seinem Tun und Handeln zu verstehen.

Er beschreibt als Sohn und Schriftsteller den Rückzug seines Vaters. “Papa, weißt du überhaupt, wer ich bin?‘ – ,Als ob das so interessant wäre.’“
Die Familie entscheidet sich, ihn in das im Dorf gelegene Heim zu geben.
Dort blühte er wieder auf, so Arno Geiger: „Wir haben das eh nicht leichtfertig getan, aber wir hätten es wahrscheinlich früher tun sollen, und wir hätten uns ein schreckliches Jahr erspart.“

Arno Geiger: „Heute sag ich: ‚Ich geh mit.‘ Wenn er sagt: ‚Ich gehe nach Hause‘, dann sag ich, ‚Ich geh mit‘. Dann sag ich: ‚Jetzt regnet es noch und wir warten noch eine halbe Stunde.‘ Und dann gehen wir. Das bestätigt ihn in seiner Welt. OK, er will auch nach Hause. Das erzeugt Sicherheit, das erzeugt Ordnung.“

Angst ist ein schlechter Ratgeber, denn sie behindert zu sehen was noch machbar ist.
Arno Geiger hat ein trauriges und heiteres Buch geschrieben, voller Achtung und Liebe. Es ist von hoher literarischer Qualität.

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2 Kommentare zu “Der alte König in seinem Exil von Arno Geiger

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