Acht Wochen verrückt von Eva Lohmann


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  • Gebundene Ausgabe: 194 Seiten
  • Verlag: Piper (21. Februar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492054390
  • ISBN-13: 978-3492054393

 

Seit langem fühlt Mila schon diese Traurigkeit und Leere ins sich. Sie geht immer weniger aus, trifft keine Verabredungen mehr mit Freunden und liegt am liebsten im Bett. Und schon am Sonntag hat sie dieses Gefühl in sich, dieses Montagsgefühl.

An diesem Montag vor 2 Monaten quält sie sich wie seit langem schon aus dem Bett und geht zur Arbeit. Dort angekommen weiß sie gar nicht was sie da soll. Sie klickt sich durchs Internet, schaltet dann ihren PC aus und geht.
Zuhause bricht sie zusammen, mit der Hilfe ihres Freundes und ihrer Mutter wagt sie den Schritt in eine Psychosomatische Klinik. Wie verängstigte Hasen sitzen die Neuankömmlinge im Foyer bis sie nach und nach aufgerufen werden und Zimmer zugewiesen bekommen. Mila ist die Letzte, zuvor hat sie jedem noch einen Namen gegeben. Dem Reh mit ihren hübschen Locken und den großen Augen, dem Huhn das so aufgeregt auf ihr Hände eintippt.

Auf ihrem Zimmer überkommt sie so eine große Müdigkeit, dass sie erst mal in einen tiefen Schlaf fällt. Als sie aufwacht steht Clara ihre Zimmergenossin vor ihr. Clara ist so dünn das man fast ihre Knochen sieht mit ihrer bläulichen Haut.
Zuerst kommt Mila sich völlig falsch am Platz vor bis sie Dr. Hennings kennenlernt, ihren Therapeuten der gleich alle Schleusen bei ihr öffnet und sie den ersten Berg voller Taschentücher verweint. So langsam wird ihr bewusst, dass sie in der Klinik Goldrichtig ist, zwischen all den verrückten. Sie schließt Freundschaften und kann das erste Mal im Leben offen über alles reden.
Ihre Diagnose Burn Out, Depressionen, Verlustängste und Tablettensucht. Das letztere muss sie sich selbst erst eingestehen.

Lohman bietet uns hier Innenansichten einer Psychosomatischen Klinik an. Gekonnt voller Witz und Tragikomik blättern sich ihre Sätze vor uns hin. Keine Langeweile, keine unerträglichen Längen, keine Vorträge über das Leben. Vielmehr bekommen wir tiefe Einblicke in den Klinikalltag und den krankheitsbildern. Vieles kommt einem selbst bekannt vor, denn ein bisschen verrückt sind wir all. Der Roman trägt autobiografische Züge und die Autorin erzählt in einem Interview, dass ihr das Schreiben des Tagebuchs geholfen hat. Dach dem Aufenthalt in der Klinik kündigte sie ihren Job und machte sich Selbstständig.
Doch einen Kritikpunkt habe ich an dieses Buch, es ist sicher nicht damit getan Mut zu beweisen und seinen Job zu kündigen. Mila selbst erwähnt es ihrem Therapeuten gegenüber, wie soll man mitten in der größten Wirtschaftskrise seinen Job kündigen.
Auch ich stelle mir hin und wieder diese Frage, denn mit einer Kündigung wäre es nicht getan. Fangen nicht dann die Probleme erst richtig an, nicht jeder kann sich plötzlich selbstständig machen.

Inzwischen schreibt die Autorin an ihrem zweiten Buch, dieser soll aber reine Fiktion sein und keine autobiografischen Züge mehr zeigen.
Ich bin gespannt.

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3 Kommentare zu “Acht Wochen verrückt von Eva Lohmann

  1. Liebe Eva,

    Bin eine 55-jährige Schweizer Hausfrau und Sängerin und hatte vor ca. 30 Jahren ebenfalls einen „Nervenzusammenbruch“ (damals kannte ich den Begriff Burnout noch nicht!). Heute bin ich dankbar dafür, dass es mich so früh „erwischt“ hatte, denn ich habe genügend Menschen kennengelernt, die gleich alt und älter sind wie ich und die nur „funkionieren“. Nehmen Sie diesen Zusammenbruch als Chance in sich hineinzuspühren und herauszufinden, wer Sie wirklich sind und auch das zu leben und nicht das, was andere von Ihnen wollen. Ich denke, Sie sind auf dem besten Wege dazu, wenn Sie diese Bücher schreiben.

    Ich bin immer noch am lernen, egoistischer zu werden, weil ich in den letzten paar Jahren zu oft ausgenützt worden bin. Es ist ein lebenslanger Prozess.

    Lassen Sie sich Zeit, gesund zu werden. Ich hatte damals einige Jahre lang immer wieder Schwächeanfälle, die ich mit homöopathischen Mitteln auf-
    fangen konnte.

    Für künstlerisch begabte Menschen ist es sehr sehr schwierig, in dieser kopflastigen, oberflächlichen Gesellschaft zu leben. Ich bin erst jetzt daran, meine Passion – das Singen – noch zum Beruf zu machen. Hatte vorher nicht den Mut dazu.

    Versuchen Sie, mit Menschen, die das gleiche durchmachen mussten Kontakt zu halten, andere können das nicht nachvollziehen.

    Ich wünsche Ihnen alles, alles Gute und viel Kraft!

    Charlotte von Ow
    Bubikon/Schweiz

    charlottevonow@hotmail.ch

  2. Hey
    Acht Wochen verrückt habe ich die Woche auch gelesen. Ich werde am Wochenende noch eine Videorezension dazu drehen! Ich fand das Buch ganz toll!
    Was ich dich noch fragen wollte. wie hast du es geschafft deinen Header so schön hinzubekommen? Bei mir ist das wenn ich es skaliere dann immer total verzehrt!
    LG Alice

    • Ich hab dir mal eine Mail geschickt, ich vermute du hast das Bild zu klein erstellt.

      Ich fand das Buch auch genial und musste ganz oft nicken…, verrückt sind wir alle 🙂

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