Der Springer von Pierre Chiquet


Gebundene Ausgabe: 139 Seiten
Verlag: Bilgerverlag; Auflage: 1., 1. Auflage (22. September 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3037620137
ISBN-13: 978-3037620137

Ein literarischer Grenzgänger!

Pierre Chiguet hat vor uns ein Brettspiel ausgebreitet.
Was wird gespielt?
Schach!
Auf dem Schachbrett stehen zwei Männer und eine Frauenleiche, ein heruntergekommenes Stundenhotel in Basel und es ist ein heißer Sommer. Ein Verwirr-Spiel, denn nicht alles was wir sehen ist wirklich so, oft lassen wir uns nur allzu bereitwillig täuschen.
Anstatt der schwarz-weißen Karos haben wir die Hotelzimmer 25, 26 und 27 auf dem Spiel, die im Roman erwähnten Zimmer des Stundenhotels „Sonne“.
In Zimmer 27 treffen sich Madeleine und Paulzen zum nachmittäglichen Liebesspiel, Gatte Stockmann hat die ehemaligen Studienfreunde willentlich wieder zusammengeführt.

„Stockmann packte wieder Paulzens Handgelenk, wobei seine kleinen, harten Augen eigensinnig und hartnäckig blickten, so als wollten sie nichts mehr mit Vernunft zu tun haben, und sagte mit völlig gelassener Stimme, ohne auch nur Atem zu holen: Du kannst sie haben.“

Stockmann liegt derweil in Zimmer 26 auf dem Bett um durch einen einseitig durchsichtigen Spiegel das Geschehen in Zimmer 27 zu beobachten. Madeleine weiß davon, mit Hilfe des Hotelportiers hat sie im Zimmer 25 einen Monitor installiert. Das Kameraauge zeigt Stockmann von hinten und das Geschehen auf dem Monitor.

„Er hat es geplant. Entworfen und ausgeführt wie eines seiner Theaterstücke. Mit drei Darstellern. Bloß, dass diese wirkliche Menschen waren. Für eine vielversprechende Ausgangslage hatte er gesorgt – das Stück würde sich ganz von alleine entwickeln.“

Der perspektivisch angelegte Roman spielt in drei Kapiteln mit den verschiedenen Sichtweisen des Kommissars, des Gerichtsmediziners und des Hotelportiers. Innerhalb dieser Kapitel gibt es noch Rückblenden, die die Beziehung von Paulzen, Stockmann, Madeleine und des Portiers beschreiben.

Wer hat Madeleine nur wirklich umgebracht?
Paulzen?
Stockmann?
Der verliebte Hotelportier?
Der Mörder ist immer der…

Autor!

Es schwebt von Anfang an eine Spannung über diesem Roman. Die Sätze sind perfekt gewählt und wurden schnörkellos und ohne Umschweife gesetzt, so dass ein jeder Satz den Nerv des Lesers trifft. Auch wenn wir am Ende nicht wirklich zu wissen scheinen wer der Mörder ist, aber ist das so wichtig? Haben wir, die Leser die Phantasie und das Urteilsvermögen verloren? Krimis sind heute meist nur noch Unterhaltungsliteratur, in der Blut in Massen fließt und das Opfer auf die brutalste Weise gemeuchelt wird. 
Aber mit „Der Springer“ ist Pierre Chiguet ein Krimi gelungen wie er sein sollte, wie aus einer längst vergangenen Zeit. Mehr davon und das Genre zählt wieder zu meinem bevorzugten.

Für Freunde der Literatur von Patricia Highsmith und wer den Film „Die üblichen Verdächtigen“ mag.

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