Mit Staunen und Zittern von Amélie Nothomb ***** (4/5)

Taschenbuch: 157 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 8., Aufl. (Juli 2002)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257233256

Preis: 8,90 €

Ich habe zitternd und staunend gelesen!

Ohne Ironie, auch wenn es uns beim lesen anders vorkommen mag, schreibt Amélie Nothomb von den Demütigungen, Missverständnissen und den Niederlagen bei „Yumimoto“. Der Firma, in der sie ein Jahr als Praktikantin gearbeitet hat.
Nie klagt sie an, oder verurteilt gar das Verhalten der einzelnen Protagonisten. Voller Verständnis füllt sie die 160 Seiten und zeigt was Demut und Ehrfurcht bedeuten. Der Firmenname, sowie auch die Namen der Kollegen sind geändert.

Seit ihrer frühen Jugend wünscht sich Amélie nichts sehnlicher, in das Land, das sie liebt, zurückzukehren. Sie absolviert in Japan ein Studium der Romanistik und will danach ein Jahr in einem japanischen Unternehmen arbeiten. Die Firma „Yumimoto“ stellt sie auf Grund ihrer Qualifikationen ein.

Gleich zu Anfang macht uns Amélie mit der hierarchische Reihenfolge ihrer Vorgesetzten vertraut. Herr Haneda – der Präsident von Yumimoto, darunter Herr Omochi, darunter Herr Saito, darunter Fräulein Fubuki Mori und dann kommt lange nichts. Und ob Amélie überhaupt irgendeiner Hierarchie angehört bleibt unklar. Sich in dem Stellenwert- und Hierarchiegeflecht zurechtzufinden ist schwierig und so verwundert es nicht das sie kläglich scheitert.
Daher steigt sie nicht nur ganz unten in der Hierarchie ein, sondern fällt im Laufe ihres Praktikums immer noch tiefer und endet als Toilettenfrau in der 44. Etage der Firma Yumimoto. Und selbst dort schafft sie es nicht, die von ihr geforderten Aufgaben zu erfüllen.

Die Situation der Frauen bei Yumimoto ist für Amélie Anlass für eine längere Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau in der japanischen Gesellschaft indem strikter Gehorsam unbedingt vorausgesetzt wird. Das Leben eines japanischen Firmenangestellten ist geprägt von Demut, Verzicht und Selbstaufgabe. Dass das Schicksal der Frauen noch um einiges schwerer ist, wird an Amélies einziger Vorgesetzten deutlich. Für Amélie der Anlass zu einer längeren Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau in der japanischen Gesellschaft.

Hier wird die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die an den kulturellen Unterschieden scheitert.
Amélie Nothomb beschreibt diese Situationen aber mit so viel Witz und Leichtigkeit, das ich nur Staunen kann. Ihr Erzählstil wirkt nie Banal. Wenn auch nur die Hälfte von diesem autobiografischen Roman stimmen sollte, dann habe ich den größten Respekt vor dieser Frau. Die damals noch sehr junge Amélie Nothomb muss eine sehr starke Persönlichkeit sein, um Demütigungen mit solch einer Ehrfurcht hinzunehmen. Schon mit „Der japanische Verlobte“ hat mich die Autorin tief beeindruckt.

In europäischen Firmen nennen wir das Gebaren der japanischen Firmenkultur Mobbing.

                  

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