Winter in Maine von Gerard Donovan ***** (4/5)

 

Seitenweise hätte ich so weitermachen können, die verbrauchten Worthülsen wieder aufsammeln und immer wieder lesen können.
Doch nach Rund 200 Seiten wird dem Lesevergnügen ein Ende gesetzt. Abrupt und aus heiterem Himmel blättert man die letzte Seite um und das war es.
Das Ende kommt aus dem weißen kalten Wald , es blitzt auf – ich schaue erst nach rechts, dann nach links. Blättere – doch dort ist schon die Danksagung.

Das Ende – offen.
Kalt die Gedanken. Allein wie Hobbes sitze ich in meinem Lesesessel und lasse die Geschichte nachwirken.

Die Spannung verliert sich nicht ein einziges mal. Der Schreibstil von Gerard Donovan erinnert mich sehr stark an Patricia Highsmith. Vielleicht habe ich deshalb im Laufe der Geschichte eine zu große Erwartung an das Ende gesetzt und ich vermisse den Aha – Effekt.
Mir kommt es so vor, als hätte der Autor nicht gewusst wie er das Buch zu Ende bringen soll.
Aber vielleicht ist ihm auch nur der Spannungsbogen gerissen – so wie ich aus dieser wundervollen Geschichte.

Die Geschichte:
Julius lebt nach dem Tod seines Vaters allein in einer Hütte, mitten im Wald in Maine. Das Alleinsein macht ihm nichts aus, das Stillsein hat er von seinem Vater gelernt.
„Maine, der weiße Stern, der ab November leuchtet, herrscht über einen kalten Winkel des Himmels. Hier können nur kurze Sätze und lange Gedanken überleben: Wer nicht aus nördlichem Holz geschnitzt und langes Alleinsein gewohnt ist, sollte im Winter nicht hier sein.Die Entfernungen werden riesig, die Zeit wird über den Haufen geworfen“

Bis eines Tages Claire mitten aus dem Wald auf seine Hütte trifft. Sie sich anfreunden, sie immer öfter kommt und auch übernacht bleibt. Und erst als Claire nicht mehr kommt, spürt er seine Einsamkeit.
Was ihm blieb ist Hobbes, sein Pitbullterrier. Er und Claire hatten ihn gemeinsam aus dem Tierheim geholt. Claire war der Auffassung er solle dort oben nicht allein leben.
Doch Claire war jetzt schon 4 Jahre nicht mehr da gewesen, hatte sich für jemand anderen entschieden, jemand der ihr mehr bieten konnte.
In der Nacht vom 30. Oktober wird Hobbes aus nächster Nähe erschossen. Aber wer macht etwas so grausames – kannte Hobbes seinen Mörder?
Es beginnt eine psychologische Hetzjagd nach dem Mörder von Hobbes.
Wer hat ihn erschossen, seinen geliebten Freund, seinen Begleiter?
Hatte Claire einen Plan verfolgt?

Der Autor Gerard Donovan schafft es, mich die Kälte des Schnees spüren zu lassen. Die Sätze wehen mir um die Ohren. Mein Herz schlägt mit jeder Seite schneller und schnell sympathisiere ich mit Julius, werde zum Mittäter.
Ich halte inne – überlege was der Autor mit mir macht, was er in mir bewegen wollte. Was sein Ziel ist.
Ein Buch bei dem ich mir gerne noch ein paar Seiten mehr gewünscht hätte, ein Vergnügen das nur Rund 3 Stunden anhält, aber viel länger nachwirkt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s