Die Kinder beruhigte das nicht von Alois Hotschnig ***** (5/5)

Die Geschichten die uns Alois Hotschnig erzählt enden jeweils, wenn sich Unbehagen in uns rührt. Und mit diesem Gefühl lässt der Autor seine Leser allein, das Kopfkino kann also beginnen. Wir ahnen schlimmes, doch der Schrecken bleibt uns verborgen. Der Einstieg in jede der 9 Geschichten ist sehr direkt, der Ausgang aber bleibt offen.

Es beginnt harmlos: eine Frau winkt einen Mann (Karl) zur Tür herein, lässt ihn in einem Zimmer voller Pupen allein, macht Andeutungen, „so lang schon wartet Karl auf ihn“. Dann tritt die Frau mit einer Puppe ins Zimmer, die Karl zum verwechseln ähnlich sieht. Karl kommt nicht mehr los, immer wieder muss er die Frau besuchen.
Schon nach wenigen Sätzen wird klar, dass alles nicht so harmlos ist, wie es scheint. Dennoch, es „passiert“ nichts und trotzdem baut sich Spannung auf.
Hotschnig erzählt über die Bewegungslosigkeit in der Existenz und dem Kontrollverlust der Identität.
Die Geschichten sind nur Stimmungsmäßig miteinander verbunden, aber nicht verknüpft.

Subtiler Horror, so kann man das Genre nennen an dem sich der Autor hier bedient. Das Buch ist mit 128 Seiten in dem sich 9 Geschichten befinden zwar recht dünn, aber dennoch ist Vorsicht geboten. Man beißt sich an den einzelnen Geschichten fest, liest sie immer wieder, immer mit dem Gefühl etwas überlesen zu haben.
Ich könnte mir vorstellen, dass der Autor Alois Hotschnig, Kafka als sein literarisches Vorbild sieht.
Wie wenige Zeilen ein Autor nur braucht um zu demonstrieren was Literatur kann, das sehen wir an diesem Buch.

 

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