34 Meter über dem Meer

von Annika Reich

Annika Reich

34 Meter über dem Meer

Roman
Erscheinungsdatum: 06.02.2012
Fester Einband, 272 Seiten

Preis: 18.90 € (D) / 26.90 sFR (CH) / 19.40 € (A)

ISBN 978-3-446-23863-3
Hanser Verlag

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Das war eigentlich nicht der Plan.
Ella hat Paul das erste Mal geküsst und Paul ergreift die Flucht. Dann fällt ihr auch noch eine Fahrrad-Kurierin direkt vor die Füße. Und als ob das für ein Wochenende noch nicht reichen würde, entdeckt sie einen Aushang:

“6-Zimmer-Wohnung in Berlin Charlottenburg zu tauschen, gegen 2 – 3 Zimmer. Kein Aufpreis, keine Nebenkosten, keine Avancen.”

Ella tauscht ihre Wohnung in Berlin Mitte mit der Wohnung von Horowitz und zieht nach Charlottenburg in eine großbürgerliche Bücherwüste, während Horowitz in die lebendige Mitte Berlins zieht. Die Fahrradkurierin Natalia hat Ella als beste Freundin auserkoren. Und Paul hat ein Geheimnis, welches Ella nur durch Zufall erfährt. Der gescheiterte Meeresbiologe Horowitz ist auf der Suche nach einer Veränderung in seinem Leben. Seine Wohnung gleicht einem Schiffsmuseum und er hat viel zu lange Kurs gehalten. Ella träumt sich durch den Tag. Mit dem Tausch der Wohnungen haben sie auch ihre Rollen getauscht.
Und dann gibt es da noch Jasmin, Ellas Schwester und deren Mutter Sibylle.

“Jasmin, der Name passt überhaupt nicht zu ihr. Sie kann ihn nicht leiden. Und wie soll aus dem Leben was werden, wenn der Titel schon nicht stimmig ist.”

Die Mutter der beiden war keine normale Mutter. Schon früh musste Jasmin für Ella sorgen. Sibylle hat einen Faibel für arabische Männer, Schmetterlingen und bunten Vögeln. Jasmin stattet der Mutter Besuchsrecht für die Enkel nur einmal im Monat unter Aufsicht zu, Ella hingegen wünscht gar keinen Kontakt.
Warum die beiden Schwestern so sind wie sie hier beschrieben werden, liegt in dem Wesen der Mutter begründet. In vielen Rückblenden haben wir Einsicht in das Leben der Beiden.

“..sie trug ihre Gewänder wie eh und je, sagte unpassende Dinge zu ordentlich frisierten Müttern der anderen Kinder, verschwand immer mal wieder für eine Woche und weigerte sich Elternabende zu besuchen, Pausenbrote zu schmieren und morgens aufzustehen..”

Rein seemännisch liegt Berlin 34 Meter über dem Meer. Warum das in dieser Gesellschaftskritik eine Rolle spielt und der Titel des Buches so lautet, verrate ich an dieser Stelle nicht.
Annika Reich schafft es wieder einmal mit einem unverbrauchten Blick auf das Leben, ihren Protagonisten Farbe und Leben zu verleihen. Monotone Stereotypen in Uniform gibt es bei Annika Reich nicht. In ihrem Romandebut “Durch den Wind” hat sie viel mit Farben gearbeitet. In ihrem aktuellen Roman “34 Meter über dem Meer” geht es weitestgehend um Beziehungen im Allgemeinen, um das Leben und was man damit anfangen soll. Und das man auch als alter Mann mit dem Erwachsenwerden zu kämpfen hat.

Lustig, spannend, voller überraschender Wendungen verknüpft die Autorin die Protagonisten miteinander.
Der Stil des Buches ist leicht schräg und manchmal melancholisch.
Daniel Scheck sagte einst: “Eine angenehm intelligente Seismographin der heutigen Gesellschaft.”

Dem kann ich nur zustimmen, denn vor uns liegt ein zartes und sanftes Buch.
Es empfiehlt sich, den Roman mit viel Ruhe zu lesen und die kleinen aber genialen Absätze wirken zu lassen.

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